Stille genießen
Auszeit für die SeeleKönnen Sie Stille genießen? Oder macht es Sie eher nervös, wenn Sie das Gefühl haben, Regenwürmer husten hören zu können? Keine Sorge, falls dem so ist. Denn so geht es vielen Menschen. Glücklicherweise kann man ganz einfach wieder lernen, die Abwesenheit von Geräuschen zu genießen. Warum das wichtig ist.

Schwerstarbeiter Ohren
Wollen wir etwas nicht riechen, atmen wir einfach nicht ein. Wollen wir etwas nicht sehen, schließen wir die Augen. Was wir nicht schmecken wollen, nehmen wir nicht in den Mund - und was sich nicht gut anfühlt, berühren wir einfach nicht: Fast alle unserer Sinne können wir ganz einfach von der Außenwelt abschotten. Die Ohren allerdings nicht. Wollen wir etwas nicht hören, müssen wir mechanisch nachhelfen und uns die Ohren entweder zuhalten oder sie verstopfen. Der Hörsinn nimmt also eine besondere Position ein. Doch warum ist das so?
Ein Grund könnte sein, dass wir zumindest einen ständigen Informationskanal brauchen, der uns unablässig vor Gefahren warnt und damit in ständiger Alarmbereitschaft ist. Die Ohren sammeln also unablässig Informationen aus der Umwelt, die sie in Form von Nervenimpulsen an das Gehirn weiterschicken. Dort findet ein Entscheidungsprozess statt: Für uns Relevantes filtert es heraus, der Rest der eintreffenden Schallwellen verschwindet ganz einfach unbemerkt. So schützt uns das Gehirn vor einer ständigen Reizüberflutung. Wer zum Beispiel an einer stark befahrenen Straße wohnt, nimmt nach einiger Zeit die vorbeirauschenden Autos nicht mehr wahr. Möchten wir aber an einer unübersichtlichen Stelle über die Straße, ist das Geräusch eines herannahenden Wagens ein wichtiger Hinweis.

Umgeben von Geräuschen
In den letzten Jahrzehnten hat jedoch der Geräuschpegel unseres Lebens stetig zugenommen. Freiwillig und unfreiwillig sind wir aktuell von weit mehr akustischen Signalen umgeben als noch vor 50 Jahren. Störende Geräusche, dann als Lärm bezeichnet, wie Baustellen, Verkehr und Flugzeuge belasten uns täglich und fast ohne Entrinnen. Über 100 Millionen Menschen in Europa sind laut Europäischer Umweltagentur übrigens alleine durch Straßenverkehr einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt. Dazu kommt die freiwillige Verbannung von Stille in Form von Musik und Podcasts. Kaum sitzen wir im Auto, stellen wir zudem das Radio an, daheim läuft der Fernseher und selbst auf der Joggingrunde ist von Stille keine Spur.
Während Musik, Vogelgezwitscher oder zum Beispiel Kinderlachen Geräusche sind, die uns erfreuen und sogar gut tun, verursacht Lärm genau das Gegenteil: Unangenehme Geräusche versetzen unseren Körper in ständige Alarmbereitschaft. Das Gehirn schüttet Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin aus. Zudem steigen der Blutdruck und die Herzfrequenz - auch, wenn wir schlafen oder den Lärm gar nicht unbedingt bewusst wahrnehmen. Dass das auf Dauer nicht gesund ist, hat auch eine Studie im renommierten Fachmagazin "The Lancet" bestätigt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfall mit Lärm. Auch auf die Psyche wirkt sich ständige Lärmbelastung negativ aus.

Laute Welt: Nicht nur durch Lärm
Unsere moderne Welt kann sich aber auch ganz ohne Geräusche zwischenzeitlich ziemlich "laut" anfühlen: Benachrichtigungen am Handy, geflutete E-Mail Postfächer, um Aufmerksamkeit heischendes Social Media, Anforderungen im Job und ein sich immer schneller wandelnder Alltag sind nur ein paar Beispiele dafür. Ruhe, einfach nur himmlische Ruhe ist daher ein Wunsch, den viele Menschen nachvollziehen können. Ein Ort, an dem Sie Ihren Ohren eine Kur mit Naturgeräuschen gönnen und den Lärm der Stadt hinter sich lassen können, ist der Knappenhof.
Am Fuße der imposanten Rax gelegen, schützt das Bergmassiv vor Lärm. Auch die kleine Straße, die zu unserem Boutique Hotel in den Bergen hoch führt, ist kein Problem. Schließlich liegt sie durch eine große Wiese getrennt vom Haus in der Ferne - und hier fährt ohnehin nur jemand entlang, wenn er bei uns zu Gast ist. Die absolute Stille - die übrigens für uns gar nicht so angenehm ist, wie wir denken - wird nur durch Geräusche aus der Natur unterbrochen: Hier ein zwitschernder Vogel, dort ein sanftes Rauschen der Blätter im Herbstwind.

Stille lernen
Komplette Stille ist übrigens etwas, das der Mensch gar nicht so gut aushalten kann. Ist es zu ruhig, verlieren wir nämlich einen gewohnten Referenzpunkt. Plötzlich hören wir Geräusche, die uns nicht vertraut sind: den eigenen Atem, den Herzschlag oder den Magen zum Beispiel. Am stillsten Ort der Welt, der Anechoic Chamber in einem Laborkomplex in den USA, werden sogar 99,9 Prozent aller Geräusche absorbiert. Das führt dazu, dass Menschen sogar das Blinzeln ihrer Augen hören. Laut Berichten des Unternehmens halten Menschen es in der Kammer maximal 45 Minuten aus, so verstörend ist das Fehlen jeglichen Geräuschs für uns.
Genießen Sie daher lieber die vielen positiven Effekte, die ein Aufenthalt abseits vom Stadtlärm aber umgeben von den Geräuschen der Natur auf den Körper und die Psyche hat: Von verlangsamtem Puls bis zu erhöhter Aufmerksamkeit. Nutzen Sie Ihre Tage, um in der goldenen Herbstsonne ein gutes Buch zu lesen - ganz unaufgeregt und leise. Atmen Sie bewusst ein, hören Sie Ihren Atem und lassen Sie den Stress des Alltags für ein paar Stunden einfach an sich vorüberziehen. Am besten, indem Sie auch gleich das Handy und den Laptop in den Urlaub schicken. Wie Sie Schritt für Schritt lernen, Stille zu genießen:
- Integrieren Sie auch in den Alltag stille Momente ohne Ablenkung
- Machen Sie es sich zur Gewohnheit, hin und wieder Ihrem eigenen Atem zu lauschen
- Praktizieren Sie Achtsamkeit
- Unternehmen Sie regelmäßige Spaziergänge in der Natur
- Benutzen Sie tagsüber hin und wieder Ohrstöpsel
