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Herbsttraditionen

in Österreich

Wer jetzt frühmorgens einen Blick aus dem Fenster wirft, sieht Nebelfelder über den Wiesen aufsteigen. In der Luft liegt schon die Frische des herannahenden Winters. Die Blätter verfärben sich, die ersten Bäume werden kahl. Der Herbst ist eine Jahreszeit, die von Veränderungen und vom Übergang geprägt ist. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Herbsttraditionen in Österreich, die uns den Abschied vom Sommer versüßen. Und uns schon auf die Vorzüge der stilleren Winterzeit einstimmen.

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Almabtrieb: Auch in Niederösterreich

Zwar kennt man die prachtvollen Feste zum Almabtrieb am Ende der Weidesaison vor allem aus den westlicheren Bundesländern, zum Beispiel aus Tirol und Salzburg. Doch auch in Niederösterreich feiert man zum Dank an eine unfallfreie Sommersaison den Almabtrieb. Ein Beispiel ist der Pielachtaler Almabtrieb in Schwarzenbach, den man zwischen Ende August und Anfang September begeht. Er findet zeitgleich mit dem Pielachtaler Dirndlkirtag statt. Im Vergleich zu den Festen in Tirol nimmt er sich bescheiden aus, sind es dort doch Tausende Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen, die am Ende des Sommers den Weg zurück in die Ställe antreten.

Gefeiert wird traditionell nur dann, wenn der Almsommer ohne tödliche Unfälle verlaufen ist. Den festlichen Zug führt dabei die sogenannte Kranzkuh an. Sie trägt besonders üppigen Kopfschmuck in Form einer Krone. Oft stellt der Kopfschmuck ein Kreuz dar, das um göttlichen Segen bitten soll. Die Glocken wiederum sind dafür gedacht, das Böse abzuwehren. Sowohl im Westen wie auch im Osten begleiten Musik, Tanz und Kulinarik die Feierlichkeit.

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Erntedank feiern

Während es sich beim Almabtrieb um einen vergleichsweise jungen Brauch handelt, verhält es sich mit dem Erntedankfest anders. Man kennt nämlich in jeder Religion und in jedem Kulturkreis schon seit Urzeiten Rituale und Feierlichkeiten, die den Gottheiten oder der Natur für reiche Ernte danken. Die Kelten feierten rund um den 23. September das Erntefest Mabon. Antike Hochkulturen kannten ebenfalls Bräuche in Form von Erntefesten. Die Griechen feierten beispielsweise drei Tage lang mit Opfergaben. Die sogenannten "Cerealia"-Feste der Römer lassen sich bis ins 7. Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen.

In unseren Breitengraden ist der Erntedank stark mit der katholischen Kirche verwoben. So findet üblicherweise am ersten Sonntag im Oktober die Erntedanksmesse statt. Die Gemeindemitglieder fertigen dafür eine prachtvolle Erntekrone aus Mais, Getreide und Obst. Diese trägt man bei einem kleinen Umzug durch die Straßen, danach ziert sie die Kirche. Ebenfalls noch vielerorts üblich sind die "Ernteteppiche", bei denen man aus Getreide und Früchten Bilder herstellt. Wie der Name schon sagt, dankt man für reiche Ernte. Gleichzeitig feiert man im bäuerlichen Jahreskreis mit den Erntedankfesten auch, dass die arbeitsintensivste Zeit auf den Feldern nach Einbringen der Ernte abgeschlossen ist.

Martini und Ganslessen

Für Gourmets beginnt mit dem Herbst ein wahrer Reigen an kulinarischen Highlights. Mit Ende Oktober beginnt nämlich in ganz Österreich die traditionelle Zeit des Martini Gansls. Dafür trifft man sich mit der ganzen Familie daheim oder im Wirtshaus. Seinen Ursprung hat das Brauchtum in der Sage rund um den heiligen Martin von Tours. Er lebte im 4. Jahrhundert und wurde berühmt, weil er einerseits einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantel abgab. Und andererseits, weil er sich in einem Gänsestall versteckte, um der Weihe zum Bischof zu entgehen.

Wie die Geschichte ausging, wissen die meisten: Die Gänse begannen zu schnattern und verrieten das Versteck des Mannes, der viel lieber Einsiedler als hoher Kirchenmann gewesen wäre. Martin wurde zudem Schutzheiliger der Gänse. Es muss ein Treppenwitz sein, dass man rund um den Martinstag, dem 11. November, traditionellerweise zum Ganslessen geht. Wer sich selbst in der Zubereitung der Köstlichkeit versuchen möchte, sollte sich unsere Tipps rund um die perfekte Martinigansansehen.

Laternenfest und Leopolditag

Vor allem Eltern mit kleineren Kindern kennen eine weitere Herbsttradition in Österreich ganz gut: das Laternenfest. Auch das feiert man zu Ehren des Heiligen Martin, meistens rund um dessen Gedenktag am 11. November. Die Kinder rücken dann mit selbstgebastelten Laternen aus, bringen etwas Licht in die Dunkelheit und erhellen mit ihren Gesängen ("Ich geh' mit meiner Laterne") trübe Herbsttage. Es scheint, als würde das Laternenfest immer mehr von Halloween-Feierlichkeiten überlagert, die an Popularität auch hierzulande zunehmen.

Am 15. November, nur wenige Tage nach dem Martinstag, ist in Niederösterreich Landesfeiertag. Dann nämlich gedenkt man dem Heiligen Leopold, dem Landespatron des Bundeslandes. Schulkinder freuen sich über einen zusätzlichen freien Tag, doch ansonsten geht der einstige Feiertag mittlerweile recht spurlos an den Niederösterreichern und Niederösterreicherinnen vorbei. Wissen sollte man dennoch, das es ihn gibt - und warum: Am 15. November 1136 starb Leopold III. bei einem Jagdunfall in Klosterneuburg. Er war ein frommer Mann, der sich um das Land verdient gemacht hatte.

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