Mariä Lichtmess
Das offizielle Ende von WeihnachtenWährend heute die ersten Christbäume bereits am 25. Dezember an der Sammelstelle landeten und schon im Januar Schokolade-Osterhasen in den Supermarktregalen auftauchen, verhielt sich die Sache mit Weihnachten früher etwas anders. Denn laut Brauchtum war es durchaus üblich, den Christbaum bis zum 2. Februar stehen zu lassen. Denn dann ist Mariä Lichtmess.

Was feiert man an Mariä Lichtmess?
Das Fest, das man im Volksmund Mariä Lichtmess nennt, heißt eigentlich "Darstellung des Herrn". Sein Ursprung geht auf die jüdische Tradition zurück, 40 Tage nach Geburt eines Sohnes und 80 Tage nach Geburt eines Mädchens im Tempel von Jerusalem ein Reinigungsopfer darzubringen. Im Judentum ist der erstgeborene Sohn Eigentum von Gott, weshalb er im Tempel "dargestellt" und gegen ein Opfer ausgelöst wird. Wer mit dem "Freudenreichen Rosenkranz" vertraut ist, kennt wahrscheinlich die Schlusswendung "Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast." Maria opferte ihr Kind nicht wirklich, sondern präsentierte es im Tempel Gott. "Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast" bezieht sich hingegen auf das Darbringen einer Opfergabe. Beide Schlusswendungen kommen von diesem alten Brauch.
Wie so oft vermischen sich im Lauf der Jahrhunderte unterschiedliche Feste und Bräuche. Mariä Lichtmess, das man seit dem 4. Jahrhundert feiert und das damit zu den ältesten christlichen Festen überhaupt zählt, ist da keine Ausnahme. Bis ins 11. Jahrhundert war der 2. Februar das Fest der "Darstellung des Herrn". Dann etablierte es sich, mit der Segnung von Kerzen und Lichterprozession zu feiern. Daraus leitete sich der Name "Mariä Lichtmess" ab.

Warum lässt man den Christbaum bis 2. Februar stehen?
Im Kirchenkalender ist Mariä Lichtmess das letzte Fest, das Weihnachten zugerechnet wird. Früher war es durchaus üblich, den Christbaum bis 2. Februar stehen zu lassen. Wer schon um Silvester mit den Nadeln seiner Tanne zu kämpfen hatte, kann sich kaum vorstellen, dass mehr als ein Christbaumgerippe übrig blieb. Auch heute gibt es noch viele traditionelle Haushalte, die sich erst am 2. Februar von ihrer Weihnachtsdekoration verabschieden. Nur gläubige Kirchengänger feiern allerdings noch das Lichterfest – fast ein bisschen schade, wenn man bedenkt, dass es Hoffnung und Zuversicht verbreiten soll.
Doch nicht nur auf die Weihnachtsdekoration hatte Mariä Lichtmess Auswirkungen. So bekamen Dienstboten an diesem Tag ihren Lohn. Außerdem kannte man den 2. Februar als Schlenkeltag (Schlenggeltag): Von diesem Tag bis zum 5. Februar hatten Mägde und Knechte Zeit, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Auf der Suche nach einer neuen Anstellung zogen sie mit ihrer Truhe voll Habseligkeiten von Hof zu Hof. Vielerorts bezeichnete man daher den Schlenkeltag (vom Mittelhochdeutschen "slingen" für "herumziehen") auch als "Truhentag". Spannendes Detail am Rande: Wer noch nach einer neuen Anstellung suchte, stellte sich mit einem Löffel am Hut auf den Kirchenplatz.

Bauernregeln und Brauchtum am 2. Februar
In einigen Regionen war es üblich, sogenannte Lichtmesskrapfen zu backen. Sie galten als Glücksbringer oder Schutz vor Sturmschäden. Wer jetzt an Faschingskrapfen denkt, liegt goldrichtig. Denn die Köstlichkeit, die heute vor allem rund um den Fasching genossen wird, war einst der Lichtmesskrapfen. Im bäuerlichen Umfeld kennt man den 2. Februar als Lostag. Er soll Hinweise auf das kommende Jahr geben. Die Regel dazu lautet: "Ist's zu Lichtmess licht, geht der Winter nicht." Wenn es also sonnig ist, ist mit weiterem Schnee und Frost zu rechnen. Auch die Variante "Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee" kennt man. Umgekehrt: "Wenns an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit."
