Bauernregeln im September
Die wichtigsten Lostage für Herbst und WinterSchon seit der Antike kennt man Bauernregeln und Lostage. In Zeiten, als die Menschen noch eng mit der Natur zusammenlebten und von ihr abhängig waren, es weit und breit aber noch keine verlässlichen Methoden gab, beispielsweise das Wetter vorauszusagen, waren sie unerlässlich. Bauernregeln gaben immer schon Orientierung betreffend Aussaat, Ernte und Wetterumschwüngen.

Seit wann gibt es Bauernregeln?
Im 4. Jahrhundert vor Christus beschäftigte sich der griechische Philosoph Aristoteles bereits mit Wetterphänomenen. Er schrieb sie als "Meteorologica" auf. Die meisten wichtigen Lostage und Regeln wurden mündlich tradiert. Jene, die wir heute in Österreich noch kennen, stammen hauptsächlich aus dem Mittelalter. Kalender waren nicht wirklich weit verbreitet, weshalb man sich am Kirchenjahr und den Namenstagen der Heiligen orientierte. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die „Kalte Sophie“ sind wohl die berühmtesten unter ihnen: sie sind die sogenannten Eisheiligen (11. bis 15. Mai). Normalerweise friert es nach diesen Tagen nicht mehr.
Als der Buchdruck erfunden wurde, war die Verschriftlichung der bäuerlichen Lostage sowas wie der erste Bestseller überhaupt. 1505 erscheint das "Wetterbüchlein", 1508 die "Bauernpraktik". Letztere war über Jahrhunderte das wichtigste Buch zur Wettervorhersage überhaupt. Es ist erstaunlich, wie verlässlich die alten Bauernregeln damals zutrafen. Kein Wunder, beruhten sie doch auf einem besonders langen Erfahrungsschatz. Einen Strich durch die Rechnung machte ihnen allerdings die Kalenderreform im Jahr 1582. Weil ihr zehn Kalendertage geopfert wurden, beziehen sie sich eigentlich auf Daten zehn Tage weiter hinten im Kalender. Überraschend: viele klassische Bauernregeln haben aktuell immer noch eine Trefferquote von 60 bis 80 Prozent.

Bauernregeln für September
Weil man im September schon an den nächsten Winter dachte, war er traditionell immer schon ein Monat mit besonderer Bedeutung für das bäuerliche Leben. Am 1. September, dem St. Ägidius Tag, sollte man erkennen können, wie der Rest des Monats wird: "Wie der Sankt Ägidientag, so der ganze Monat mag." Ist es also am 1. September warm und sonnig, steht ein herrlicher Altweibersommer vor der Tür. Der 8. September, Mariä Geburt, hatte eine ähnliche Bedeutung: "Wie das Wetter an Mariä Geburt, so soll es weitergehen durch vier Wochen an dem Ort."
Während sich diese Regeln vor allem auf den Verlauf des Restmonats beziehen, gehen andere weiter und wagen sich sogar an Prognosen für den kommenden Winter. "Tritt Matthäus (21. September) stürmisch ein, wird's bis Ostern Winter sein" oder "Matthäus hell und klar, bringt guten Wein im nächsten Jahr". Für den 22. September (St. Mauritius) gilt: "Gewitter um Mauritius bringen großen Schad' und Verdruss." Am Michaeli Tag (29. September) wünschte man sich aus Sicht der Landwirtschaft Regen, aus Sicht der Wintersportorte Sonnenschein: "Gibt Michaeli Sonnenschein, wird in zwei Wochen Winter sein. Regnet es am Michaelstag, folgt ein milder Winter nach."

Stimmungsvolle Auszeit
am Knappenhof



Der September als Winter-Indikator
Einige Bauernregeln verknüpfen gleich das gesamte Monat mit einer Vorhersage hinsichtlich des Winterwetters: "September warm und klar, tut gut im nächsten Jahr" oder "Septemberregen kommt der Saat gelegen" hörte man genauso wie "Donnert's im September noch, wird der Schnee um Weihnacht hoch" oder "Viel Nebel im September, viel Schnee im Dezember." Weiters glaubte man, dass viele Spinnweben im September ein Hinweis auf einen milden Winter und eine ertragreiche Weinlese sind. Große Ameisenhaufen und spät abfallende Eicheln assoziierte man mit harten, kalten Wintern.
Da Tiere und Pflanzen ausschließlich auf aktuelle Gegebenheiten und Mikroklimata reagieren, sind derartige Regeln weit weniger verlässlich als jene, die die Großwetterlage an bestimmten Zeitpunkten im Jahr betreffen. Tiere und Pflanzen haben keine Möglichkeit, das Wetter in drei Monaten zu antizipieren, egal, wie intelligent ihre kurzfristigen Reaktionen ausfallen.



