Frühlingsbote Bärlauch
Was Sie vielleicht noch nicht wusstenWer dieser Tage in der Natur unterwegs ist, kommt nicht umhin, die zarten, grünen Spitzen zu bemerken, die durch die Walderde stoßen. Endlich hat der Frühlingsbote Bärlauch wieder Saison! Je nach Witterung kann die köstliche Pflanze bis Mai geerntet werden. Wir verraten Wissenswertes und Unbekanntes rund um Allium ursinum.

Warum heißt Bärlauch Bärlauch?
Viele Fakten rund um Bärlauch sind bekannt. Zum Beispiel, dass er am besten schmeckt, wenn man ihn möglichst jung und noch vor der Blütezeit im April erntet. Oder dass Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Maiglöckchen besteht. Auch der Geschmack von Bärlauch, nämlich intensiv nach Knoblauch, aber ohne dessen Nachgeschmack zu hinterlassen und mit deutlichen krautigen Noten, ist bekannt. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, warum der Bärlauch eigentlich Bärlauch heißt? Und nicht zum Beispiel Knoblauchkraut? Ein Teil des Namens liegt auf der Hand: Lauch. Bärlauch gehört, ebenso wie Schnittlauch, Zwiebeln oder eben auch Knoblauch zu den Lauchgewächsen.
Warum der Bär ursprünglich ins Spiel kam, ist nicht mehr ganz eindeutig nachzuverfolgen. Einige Quellen berichten, dass der Name mit Bären zu tun haben könnte, die im Frühling aus ihrem Winterschlaf erwachen. Die üppig wachsende Pflanze soll ihnen als erste Nahrung nach ihrer langen Winterdiät dienen. Diese Hypothese scheint ebenso konstruiert wie das Zurückführen auf den Volksglauben, der den Blättern kraftspendende Wirkung zuschreibt. Er soll Bärenkräfte verleihen. Gleichzeitig könnte der Name auch ein Hinweis auf die Art der Pflanze sein, denn in der Zoologie und Botanik verwendet man einst den Zusatz "Bär" für besonders starke, kräftige oder große Zeitgenossen.

Sehr eingehende beschäftigte sich Niels Böhling in einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Namen. Seine nachvollziehbare These: Es handelt sich um den "Lauch des Großen Bären", benannt nach dem Sternbild im Norden. Im Grunde also um den "nördlichen Lauch", was logisch klingt. Schließlich ist Bärlauch jene Lauchart, die aus Sicht der antiken Naturforscher am nördlichsten wächst. Er belegt seine Theorie durch den griechischen Gattungsnahmen "Arctuos". Das griechische άρκτος (árktos) bedeutet nämlich „Bär“ und das griechische άρκτωος (arctóos) „nördlich“.
Ist Bärlauch eine Heilpflanze?
Abgesehen von der Tatsache, dass Bärlauch einfach gut schmeckt und als beliebte Würzpflanze dient, schätzt man ihn auch für seine gesunden Inhaltsstoffe. Schon im Altertum und Frühmittelalter verwendete man ihn. Die Kelten, Germanen und Römer sahen in ihm ein Stärkungsmittel, das Ausdauer und Kraft erhöhen sollte. Angeblich nutzte man seinen Saft sogar als Liebestrank. Doch auch die verdauungsfördernde Wirkung war bekannt, er kam weiters gegen Husten, Würmer und zur Wundheilung zum Einsatz. Welche Wirkungen von Bärlauch sind wissenschaftlich belegt?

Pharmakologische Tests bestätigen eine verdauungsfördernde, entgiftende, antimikrobielle und kreislauffördernde Wirkung. Der "wilde Knoblauch" hilft bei Magen-Darm-Störungen, zum Beispiel bei Blähungen. Selbst blutdrucksenkende Wirkung soll er haben. Der Grund dafür sind die verschiedenen schwefelhaltigen Verbindungen, Phenole und Saponine. Entgegengesetzte, nämlich tödliche, Wirkung haben die zeitgleich wachsenden, hochgiftigen Maiglöckchen, Herbstzeitlosen und des Aronstabs. Beim Sammeln ist besondere Vorsicht geboten! Für die meisten Tiere ist übrigens auch Bärlauch giftig.

Frühling
am Knappenhof



Bärlauch sammeln rund um die Rax
Beim Sammeln von Bärlauch ist äußerste Vorsicht geboten. Nur, wer sich wirklich sicher ist, die ungiftige Lauchvariante vor sich zu haben, sollte zugreifen. Unpraktisch ist, dass er nicht nur Giftpflanzen ähnlich schaut, sondern auch die gleichen Standorte wie diese bevorzugt: schattige, feuchte und nährstoffreiche (Buchen)-Wälder. Oder auch die Nähe zu Bachläufen. In der Gegend rund um die Rax gibt es viele humusreiche Böden, die sich hervorragend für Bärlauch eignen. Eine Art lokale Berühmtheit ist die Umgebung des Naturfreundehauses Knofeleben. Schon der Name verrät es: Hier wuchert der wilde Knoblauch praktisch uneingeschränkt.
Neben aller Vorsicht sei noch darauf hingewiesen, dass man Bärlauch nur als Einzelblätter pflücken und nicht die ganze Pflanze ausreißen sollte. So kann die Pflanze wieder ungehindert nachwachsen. In Österreich ist es erlaubt, für den Eigenbedarf Bärlauch in kleinen Mengen zu pflücken. In der Regel geht man von einem Strauß pro Tag und Person aus. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln verboten.



